Titel: Der öffentliche Feind

Originaltitel: The Public Enemy

Regie: William A. Wellman

Darsteller: James Cagney, Jean Harlow, Edward Woods, Joan Blondell, Donald Cook, Leslie Fenton, Beryl Mercer, u.a.

Region: Region 2

Bildformat: 1.37 : 1 (Vollbild)

Ton/Sprachen: Deutsch, Englisch Spanisch (DD 1.0)

Special Features: Making of, Kurzfilme, Trailer, Einleitung von Leonard Matlin, Audiokommentar, Prolog zum Rerelease 1954

Die Freunde Tom Powers und Matt Doyle sind schon seit frühster Jugend als Kleingauner tätig. Doch eines Tages, nach einem Einbruch, ändert sich das Leben für die beiden schlagartig, denn bei dem Vorhaben wird ein Polizist getötet. Tom wird von der Polizei geschnappt und entwickelt sich im Gefängnis zu einem eiskalten Verbrecher, der nach seiner Freilassung von seinen Gegnern gefürchtet wird...

Ähnlich wie DER KLEINE CÄSAR war auch dieser Film wegweisend für die weitere Entwicklung des Gangster-Genres. Vor dem Hintergrund der Prohibition wird ein zeitgeschichtliches Bild gezeichnet, das gar nicht so weit entfernt ist, wie man es annehmen sollte. Gleichzeitig inszeniert Regisseur William A. Wellman seinen Film über einen Psychopathen in einem sehr modernen Stil, dem man einem solch alten Streifen nicht zutraut. Ähnlich wie heutige Regisseure arbeitet Wellman sehr stark mit ungewöhnlichen Kameraperspektiven, die auch heute noch wirken. Wie viele Beiträge seines Genres ist auch THE PUBLIC ENEMY ein sehr gewalttätiger Film. Allerdings wird sie nicht explizit dargestellt, sondern man bekommt sie nur indirekt mit, was das Erlebnis nur noch intensiver macht. So entsteht ein sehr packendes Bild der Zeit der Prohibition und ihrer Folgen.

Aber nicht nur die Inszenierung, sondern auch die Darsteller brillieren in dem Streifen aus dem Jahr 1931. James Cagney stand damals noch am Anfang seiner Karriere und hatte sich bisher mit Nebenrollen über Wasser gehalten. THE PUBLIC ENEMY war eine seiner ersten Hauptrollen. Er verleiht dem Antagonisten Tom Powers den letzten Schliff, denn Cagney gelingt es famos die Gewissenlosigkeit und Brutalität seiner Rolle in beängstigender Weise herüber zu bringen. Er beschränkt sich dabei nicht nur auf das Aufsagen seines Textes, sondern verleiht mit seiner ganzen Körpersprache Tom Powers eine größere Tiefe. Wie Powers zu den Dingen im Leben steht, zeigt die legendäre Szene, in der er seiner Freundin eine halbe Grapefruit ins Gesicht drückt. Aber auch die anderen Darsteller, von denen die meisten heute nicht mehr bekannt sind, füllen ihre Rollen sehr gut aus. Die legendäre Jean Harlow ist ebenfalls in einem Nebenpart zu sehen, kurze Zeit bevor sie selbst zum Superstar werden sollte.

Die DVD-Version von DER ÖFFENTLICHE FEIND bietet, neben zahlreichen Extras, auch die ungekürzte Fassung des Films. Die neuen Szenen, wie jene mit dem eindeutig homesexuellen Schneider, wurden nicht synchronisiert, sondern mit deutschen Untertiteln unterlegt.

Wie viele Scheiben der Klassiker-Reihe von Warner bietet auch diese einiges an interessanten Extras. So kann man sich, nach einem Vorwort von Leonard Matlin, einen Kinoabend im Stil des Jahres 1931 gestalten. Komplett mit Trailer, Wochenschau, Kurzfilm und Cartoon vor dem Hauptfilm. Die eigentlichen Extras werden mit einem Audiokommentar von Filmhistoriker Robert Skar gestartet, der in der Dokumentation Bier und Blut: Feinde der Öffentlichkeit noch etwas vertieft wird. Hier sind vor allem die Ausführungen von Meisterregisseur Michael Scorsese interessant, der den Gangsterfilm in jüngster Zeit mit Filmen wie GOODFELLAS und CASINO neu definierte. Ebenfalls sehenswert ist der alte Trailer von PUBLIC ENEMY und der neue Prolog, der bei der Wiederaufführung des Films im Jahr 1954 eingesetzt wurde.

Bei einem über 75 Jahre alten Film sollte man keine Wunder bei Bild und Ton erwarten. Dennoch ist das Endergebnis besser als erwartet. Das Bild wird sauber präsentiert, zeigt aber vor allem in den bisher in Deutschland unveröffentlichten Szenen deutliche Schwächen. Die Schärfe und der Kontrast sind über weite Strecken befriedigend. Beim Ton verzichtete man auf eine unsinnige Aufmischung auf moderne Niveaus. Der Originalton präsentiert sich gut verständlich, während die deutsche Synchronisation sehr steril klingt und einiges an Hintergrundgeräuschen verschluckt. Eine leichte Dumpfheit der deutschen Fassung ist ebenfalls zu bemerken.

DER ÖFFENTLICHE FEIND ist mit Sicherheit ein großes Meisterwerk der goldenen Zeit Hollywoods. Der Film, der deutlich die Handschrift des Produzenten Darryl F. Zanuck trägt, der später lange Zeit Besitzer des Majors 20th Century Fox war, wirkt auch heute noch modern und unverbraucht. Bei näherem Hinsehen spürt man, wieviele heutige Regisseure sich an diesem Film orientiert haben. Dies und die Tatsache, dass man die DVD mittlerweile für einen richtigen Spottpreis bekommt, machen ihn für den Sammler sehr kaufenswert.

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