Copyright by Warner Home Video

Titel: Tron

Originaltitel: Tron

Regie: Steven Lisberger

Darsteller: Jeff Bridges, Bruce Boxleitner, Cindy Morgan, David Warner, Bernard Hughes, u.a.

Region: Region 1

Bildformat: 2.20 : 1 (anamorph)

Ton/Sprachen: Englisch (Dolby Digital 5.1)

Special Features: Making of, Deleted Scenes, Tests, Audiokommentar, Alternate Musiktracks, u.v.m

Am Anfang der 80er Jahre stand der Disney Konzern vor einer Krise. Keiner wollte mehr seine Familienfilme sehen, was die katastrophalen Einspielergebnisse von THE RESCUERS und einigen kleineren Realfilmen bewiesen. Ende der 70er wollte man mit THE BLACK HOLE auf den Zug aufspringen, den STAR WARS ins Rollen gebracht hatte, doch die dröge Story mit hölzernen Stars und genial Spezialeffekten riss Disney nur noch weiter rein. Guter Rat war teuer und man entschied sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Man hörte auf einen jungen Mann, der bis dahin noch keinen Kinofilm gemacht hatte. Steven Lisberger schwebte ein Abenteuer im Innern eines Computers vor, das aufwendig produziert werden sollte. Vor allem wollte man versuchen Computeranimationen einzusetzen, was Anfang der 80er noch ein Novum war. Damals gab es zwar Effektschmieden wie ILM, aber erst 1985 war die in der Lage ein passables Ergebnis abzuliefern (zu sehen in YOUNG SHERLOCK HOLMES). Aus Nichts heraus entstanden für TRON fast 15 Minuten Computeranimation, gemacht unter abenteuerlichen Umständen, wie man in dem außerordentlich gut gemachten Making of der Doppel-DVD mitbekommt. Mit einem neuartigen Verfahren wurden die grellen Farben des Films entwickelt, während die Personenaufnahmen in Schwarzweiß vor einem schwarzen Hintergrund entstanden. Obwohl Disney noch nicht die Starpower von heute hatte, konnte man mit Jeff Bridges einen sehr guten Schauspieler verpflichten. Die Titelrolle jedoch ging an Bruce Boxleitner, der in den 90ern als Captain John Sheridan die Station BABYLON 5 befehligen sollte. Übrigens tauch in TRON auch ein Nebendarsteller auf, der ebenfalls in B5 zu sehen war: Peter Jurassik, bekannt als Londo Molari.

Nachdem bereits vor einigen Jahren eine DVD von TRON veröffentlicht wurde, entschied man sich für das 20. Jubiläum des Films zu einer ziemlich gut ausgestatteten Doppel-DVD-Box. Dem Film wurde ein anamorpher Transfer gegönnt und er liegt nun in seinem Originalformat 2.20:1 vor. Es ist deswegen nicht 2.35:1, weil TRON mit 70-MM-Filmaterial (Panavision Super 70, um genau zu sein), ähnlich wie vor ihm LAWRENCE OF ARABIA und 2001. Das Bild kann sein Alter keine Sekunde bestreiten, aber man hat aus dem Ausgangsmaterial das Beste herausgeholt. Es sind zwar stellenweise Helligkeitsunterschiede zu bemerken, aber das kann man ebenfalls auf das Alter des Films schieben. Die Farben sind in der realen Welt etwas zu bunt, kommen aber jenseits des Schirms sehr gut rüber. Auch beim Ton hat mich sich sehr größte Mühe gegeben und sich bemüht alles sehr räumlich klingen zu lassen. Es werden alle Lautsprecher miteinbezogen, was teilweise sehr lustig ist. Bei einigen Sequenzen (u.a. mit Sarks Carrier) ist ein wenig mit den Tieftönen übertrieben worden (der Subwoofer rumort wirklich sehr böse), dennoch ist das Ergebnis beeindruckend.

Die Specials beginnen auf der ersten DVD mit einem sehr interessanten Audiokommentar von Regisseur Lisberger, Producer Donald Kushner und zwei der Effektleute, die vieles aus dem Nichts heraus möglich machten. Weiter geht es auf der zweiten DVD mit allerlei Material wie Screentests der Effekte, Clips über die Entwicklung von TRON und ein Blick in die Arbeit der Effektleute. Auch hier muss man sagen, dass man das alte Videomaterial sehr gut aufbereitet hat. Neu allerdings ist das schon erwähnte Making of. Es geht fast 90 Minuten und ist sehr informativ. Zudem ist es noch werbefrei. Wenn man Jeff Bridges hört, wie frustrierend es war, vor schwarzem Nichts zu spielen, kann man sich vorstellen, wie sich die Darsteller der neuen STAR WARS-Filme gefühlt haben, als sie drehten. Bis auf David Warner hat man alle Hauptdarsteller noch einmal vor die Kamera bekommen können. Weiter geht es mit drei Deleted Scenes, von denen eine aus einem sehr späten Produktionsstadium stammt, weil sie komplett nachbearbeitet ist. Bei der zweiten fehlt der Ton und bei der dritten handelt es sich um den Textprolog, der bei der internationalen Fassung dabei war. Er fehlt auf der Film-DVD. Zudem bekommt man noch die Storyboards, Produktionszeichnungen, Entwürfe, Produktionsfotos sowie 6 Trailer zu sehen. Mehr als Beigabe kann man die beiden Musikstücke von Wendy Carlos betrachten. Es sind Alternativtracks, die so im Film nicht zu finden sind. Insgesamt wird man mit rund fünf Stunden Zusatzmaterial zugeschüttet.

Die Zeiten ändern sich bei Disney, denn früher war TRON immer das etwas ungeliebte Kind gewesen, weil er an den Kinokassen nicht ganz so erfolgreich war wie erwartet. Bei der Oscarverleihung wurde er übergangen, weil die Academy of Motion Pictures, Arts And Sciences der Ansicht war, man hätte die Filmleute mit dem Computer beschissen. Sieben Jahre später bekam THE ABYSS den Award eben wegen seiner CGI-Technik. Heute weiß man den Stellenwert des Films zu schätzen. Er ist der erste gewesen, der massive Computeranimationen benutzt hat, auch wenn sie heute etwas statisch aussehen. TRON ist ein richtiger Klassiker.

Eine ausführliche Besprechung der 2011 erschienen Blu-ray-Version findet man hier.