Titel: Flags of our Fathers/Letters from Iwo Jima
Originaltitel: Flags of our Fathers/Letters from Iwo Jima
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Ryan Phillipe, Jesse Bradford, Adam Beach, Ken Watanabe, Kazunari Ninomiya, Tsuyoshi Ihara, Ryo Kase, Shidou Nakamura, u. a.
Region: Region 2
Bildformat: 2.40 : 1 (anamorph)
Ton/Sprachen: Englisch, Deutsch, Japanisch (DD 5.1)
Special Features: Einleitung von Clint Eastwood, Wörter auf Papier, Sechs tapfere Männer, Die Entstehung eines Epos, Rote Sonne, schwarzer Sand: Making of Letters from Iwo Jima, u. v. m.
Es war eine der verlustreichsten Schlachten im 2. Weltkrieg, bei der fast 30 000 Menschen ums Leben kamen: die Schlacht von Iwo Jima. Als die amerikanischen Truppen im Februar 1945 den Fuß auf die Vulkaninsel im Pazifik setzten ahnte niemand, dass der Einsatz, der eigentlich nur für ein paar Tage veranschlagt war, mehr als 30 Tage dauern würde und die US-Kriegsmaschinerie auf die härteste Probe stellen würden. Kein Wunder, denn die japanischen Soldaten hatten nichts mehr zu verlieren, denn es ging darum dem Feind von der heimatlichen Erde zu vertreiben. Eingegraben in einem unterirdischen Tunnelsystem verteidigten die Japaner die Insel bis fast zum letzten Mann, was den Amerikanern das Vorankommen erheblich erschwerte. Von den rund 21 000 japanischen Soldaten kamen fast 20 000 ums Leben. Auf der amerikanischen Seite starben rund 7000 G.I.’s.
Schon relativ früh setzte sich Hollywood mit dem Thema Iwo Jima auseinander. Das bekannteste Beispiel dürfte SANDS OF IWO JIMA (Todeskommando Iwo Jima) aus dem Jahr 1949 sein, in dem John Wayne die Hauptrolle spielt. In diesem Film wurden u. a. auch Originalaufnahmen von der wirklichen Invasion selbst benutzt, was wahrscheinlich einer der Gründe ist, warum der Film bis heute zum Ausbildungsprogramm der U. S. Marines gehört.
Clint Eastwood interessierte sich schon früh für FLAGS OF OUR FATHERS, konnte aber nicht rechtzeitig an die Filmrechte für das Buch von James Bradley und Ron Powers erwerben. Diese gingen an Steven Spielberg. Als die beiden Regisseure bei der Oscarverleihung für das Kinojahr 2004 aufeinander trafen, entstand die Idee einer Zusammenarbeit. Spielberg sollte als Produzent tätig werden, Clint Eastwood als Regisseur und Coproduzent. Im Verlauf der Vorproduktion zu FLAGS OF OUR FATHERS stellte sich dann heraus, dass die Geschichte um Iwo Jima zu umfangreich für einen Film war. So entstand die Idee zu zwei Filmen. Einmal sollte die amerikanische Sicht der Dinge geschildert, zum anderen die japanische Perspektive beleuchtet werden. Die beiden Projekte wurden, um Zeit zu sparen, parallel gedreht.
FLAGS OF OUR FATHERS beleuchtet Ereignisse während und nach der Landung auf Iwo Jima. Aus der Sicht von John “Doc” Bradley, einer jener Männer, die auf dem legendären Bild der Flaggenaufstellung zu sehen sind, erzählt. Nachdem das Bild durch die verschiedenen Kanäle gelaufen sind, werden die drei überlebenden Soldaten nach Hause geholt. Dort sollen sie dem maroden Geschäft mit Kriegsanleihen auf die Sprünge helfen, denn die Kosten für den Krieg gegen Japan fressen ein immer größeres Loch in die Wirtschaftskraft der USA. Was die Nation jetzt braucht sind echte Helden, die man in den drei jungen Männern glaubt gefunden zu haben. Anfangs spielen die Soldaten mit, doch sie merken, wie verlogen die PR-Maschinerie ist. Während sich Bradley und ein Kamerad damit zu arrangieren versuchen, zerbricht der dritte daran. Er zieht es vor wieder an die Front zu gehen. Dies hinterlässt bei John Bradley einen bitteren Nachgeschmack...
Clint Eastwoods Blick auf eine der großen Schlachten des 2. Weltkriegs unterscheidet sich sehr von dem von Steven Spielberg. Er setzt zwar auch sehr auf Realismus, stellt aber die Gewalt nicht ganz so plakativ dar. Die Ereignisse werden aus dem Blick des jungen John Bradley gezeigt, der als Sanitäter bei der Invasion dabei war. Ähnlich wie bei DER SOLDAT JAMES RYAN oder BAND OF BROTHERS ergeht sich Eastwood nicht in Schuldzuweisungen. Vielmehr bleibt in FLAGS der Gegner schemenhaft und taucht nur selten im Bild auf. Der Regisseur setzt vielmehr auf die unterschwellige Bedrohung durch einen Gegner, der nicht richtig greifbar ist. Bei den Sequenzen, die nach der Invasion spielen, scheut er sich nicht klare Kritikpunkte anzubringen, die durchaus auch auf aktuelle Ereignisse übertragbar sind. Vor allem die Verlogenheit und Rücksichtslosigkeit der PR-Maschine der US-Regierung ist stellenweise erschreckend. So kann man FLAGS OF OUR FATHERS durchaus auch als Metapher auf den Irak-Konflikt der Bush-Administration sehen.
Wie oben erwähnt entwickelte sich die Recherche zum FLAGS als dermaßen umfangreich, dass sich Clint Eastwood entschied auch die japanische Seite der Ereignisse zu schildern. So entstand die Idee zu LETTERS FROM IWO JIMA. Als Quelle dazu dienten die in Japan erschienen Briefe von General Tadamichi Kuribayashi, dem Oberbefehlshaber von Iwo Jima. Die von ihm geschilderten Ereignisse wurden zu einem Originaldrehbuch verarbeitet, das in vielen Szenen Licht in viele Geheimnisse der japanischen Soldaten bringt.
Während Ausgrabungen auf Iwo Jima wird in einem Teil der weit verzweigten Tunnelsystems ein Postsack mit nicht abgeschickten Briefen japanischer Soldaten gefunden, die schildern, wie die Amerikaner die Invasion durchgeführt haben. Eastwood wählt auch hier einen jungen Mann als seine Hauptfigur aus. Saigo ist nicht unbedingt freiwillig auf Iwo Jima. Er wurde in Militär gepresst und sehnt sich danach seine Frau und seinen kleinen Sohn wieder zu sehen. Zusammen mit vielen anderen japanischen Soldaten soll er die Amerikaner davon abhalten japanischen Boden zu betreten. Eine Mission, die schon am Anfang zum Scheitern verurteilt ist. Die Truppen des Tenno auf der Vulkaninsel sind nicht gut ausgerüstet, vor allem nicht dafür die Invasion einer fast perfekten Kriegsmaschinerie abzuhalten. Doch viele der Befehlshaber glauben, dass man blinden Heldentum und Ehre mehr ausrichten kann. General Kuribayashi macht sich in dieser Beziehung keine Illusionen, weil er die wirtschaftliche Macht des Feindes aus seiner Zeit vor dem Krieg kennt. Er hielt sich einige Zeit in den USA auf, wo er auch einen Teil sein Ausbildung genoss. Doch die verknöcherten Strukturen des japanischen Oberkommandos wollen von moderner Kriegsführung nichts wissen. Vielmehr wird den Soldaten befohlen jeden Feind zu töten und sich keinesfalls in die Hand des Feindes zu begeben, da dies ehrlos sei. Deswegen werden die Männer mit Selbstmordhandgranaten versorgt, damit sie ehrenvoll Seppuku begehen können. Genau dies spricht gegen den Überlebenswillen von Saigo...
Der Blick auf die japanische Seite ähnelt oberflächlich etwas der von FLAGS OF OUR FATHERS. Auch hier bleibt der Gegner, bis auf eine Ausnahme, schemenhaft. Die japanischen Soldaten werden durch falsche Propaganda gegen den Feind aufgebracht, um dann gnadenlos grausam getötet zu werden. Doch diese Informationspolitik wird von einigen der Männer hinterfragt. Eastwood gelingt es im Verlauf von LETTERS einen etwas persönlicheres Blick auf die Einheiten Kuribayashis zu werfen. Dabei bedient er sich der klaustrophobischen Atmosphäre der Tunnel, die die Japaner in die Vulkaninsel gegraben haben. Das Filmerlebnis wird dadurch noch intensiviert. Ebenfalls gelungen ist die Auswahl der Darsteller, die alle sehr glaubwürdig wirken. Ken Watanabe ist dabei der einzige Name, der international bekannter ist. Er bringt als kommandierender General viel Herzblut in die Geschichte, da sie ihm, wie er später im Making of erwähnt, ebenfalls am Herzen lag. Noch mehr Glaubwürdigkeit erlangt der Film durch das Drehen in japanischer Sprache. Für den Kinoeinsatz wurde absichtlich auf eine Synchronisation verzichtet. Wahrscheinlich einer der Gründe, warum LETTERS FROM IWO JIMA in den deutschen Kinos etwas unterging. Sehr bedauerlich, denn der Film ist ein absolutes Meisterwerk.
Auf der DVD von LETTERS FROM IWO JIMA befindet sich eine deutsche Synchronfassung, die wahlweise dazu geschaltet werden kann. Allerdings wird diese, im Vergleich zur untertitelten Originalversion, dem Werk nicht gerecht. Zu weich ist der Umgangston zwischen den Offizieren und ihren Vorgesetzten ausgefallen. Die Unmenschlichkeit des japanischen Militärapparats verliert dadurch einiges von ihrem Schrecken, was so bestimmt nicht beabsichtigt war.
Da FLAGS OF OUR FATHERS und LETTERS FROM IWO JIMA eng miteinander verwoben sind und auch als Gesamtwerk gesehen werden können, lag es nahe beide Filme in einem Set zu veröffentlichen. Leider ist für die europäische Auswertung einiges an Bonusmaterial der US-Versionen auf der Strecke geblieben, aber das hier besprochene 3-DVD-Set bietet dennoch einige sehr interessante Aspekte.
Clint Eastwood bedient sich bei beiden Filmen starken Verfremdungseffekten. Dennoch sind in beiden Fällen leicht Kompressionsprobleme in Form von Artefakten zu erkennen. Die Farben wurden stark reduziert, alles mit einer Art bläulichen Filter versehen, um dramaturgisch auf die Zeit, in der die Handlung spielt, hinzuweisen. Das Bild wirkt bei beiden Filmen ausgewaschen und blass. So wird ein abschließendes Urteil über die Bildqualität sehr stark eingeschränkt.
Sowohl LETTERS als auch FLAGS sind eher ruhige Filme. Doch wenn es mal zur Action kommt, dann wird der Sound sehr räumlich und differenziert. Bei den Explosionen wir der Subwoofer gut angesprochen und auch die Effekte sind richtig platziert. Die Dialoge sind in allen Sprachversionen klar verständlich. Hier geben sich die beiden Filme keine Schwächen.
Auf der Disc von FLAGS OF OUR FATHERS sind kleinerlei Extras enthalten. LETTERS FROM IWO JIMA bietet zumindest ein kleines Making of und den Trailer. Die Specials zu FLAGS befinden sich auf der zweiten Disc des ersten Films. Nach einer Einleitung von Clint Eastwood bieten 6 Dokumentation einen interessanten Blick hinter die Kulissen von FLAGS. Dabei wird jeder Aspekt seiner Entstehung beleuchtet. Dies ist zwar informativ, aber streckenweise auch etwas trocken.
FLAGS OF OUR FATHERS und LETTERS FROM IWO JIMA sind zwar unterschiedliche Filme, gehören aber dennoch zusammen, weil man nur so einen gesamten Blick auf die Ereignisse einer der blutigsten Schlachten des 2. Weltkriegs bekommt. Clint Eastwood lässt sich von dem Megabudget, das in dem Projekt steckt, nicht schrecken und bietet mit seinem bewährten Inszenierungsstil einen persönlichen Blick auf die Figuren. Er setzt dabei nicht auf plakative Gewalt, sondern lässt die Angst unterschwellig mitschwingen. Dabei zeigt er eindrucksvoll wie sehr er sich als Regisseur etabliert hat, denn er gehört zu den ganzen wenigen in Hollywood, die einfach ihr Ding machen können.
Qualitativ steht LETTERS etwas über FLAGS, doch beide Filme in ihrer Gesamtheit sind ein wahres Meisterwerk.
