
Titel: Ben-Hur
Originaltitel: Ben-Hur
Regie: William Wyler
Darsteller: Charlton Heston, Jack Hawkins, Haya Harareet, Stephen Boyd, Hugh Griffith, Martha Scott, Cathy O’Donnel, Sam Jaffe, Finlay Currie, u.a
Region: Region 1
Bildformat: 2.76 : 1 (anamorph)
Ton/Sprachen: Englisch, Deutsch, Spanisch, Polnisch (DD 5.1)
Special Features: Dokumentationen, Probeaufnahmen, Wochenschauberichte, Höhepunkte der Oscarverleihung von 1960, Trailer, Stummfilmfassung von 1925
In Zeiten des immer schneller wachsenden DVD-Marktes ist es nicht verwunderlich, dass viele Filmgesellschaften versuchen mit ihren Produkten Geld zu machen. Neuauflagen sind dabei eine Sache, die bei vielen anzukommen scheint. Die Praxis hat sich nicht nur bei neuen Titeln bewährt, auch Backprogrammtitel profitieren davon. Kein Wunder, denn für einen Filmklassiker scheint man oft schnell eine Special Edition zusammengewürfelt zu haben.
BEN-HUR wurde bereits 2001 von Warner Home Video auf einer DVD-18 veröffentlicht. Schon damals beeindruckte man mit einer sehr sauberen Transfer und einer außerordentlich guten TV-Dokumentation, die das Phänomen BEN-HUR sehr gut abdeckte. Aber nachdem sich auch die 4-Disc-Editon von VOM WINDE VERWEHT als Erfolg erwiesen hat, wollte man bei dem wahrscheinlich größten Film der Firma MGM nicht nachstehen.
Für die Special Edition von BEN-HUR hat man sich etwas besonderes ausgedacht. Man bekommt für rund 25 Euro nicht nur den Film von 1959 geboten, sondern auch die restaurierte Stummfilmversion aus dem Jahr 1925, die sich deutlich von dem Remake unterscheidet. Hinzu kommen noch einige nette Extras, die auf dem ersten Blick als zahlreich erscheinen, aber es in Wahrheit eigentlich nicht sind.
Die Version von 1959 befindet sich als Doppel-DVD in dem Set. Man hat dem Film erneut einen digitalen Transfer gegönnt, der sich den Kriterien der anderen Restaurationsarbeiten aus dem Hause Warner stellen kann. Das Bild ist sehr sauber und zeigt keine besonders sichtbaren Beschädigungen. Die Schärfe bewegt auf einem hohen Niveau, was vor allem bei den zahlreichen Großaufnahmen auffällt. Besonders interessant sind die knalligen Technicolorfarben, die dem ganzen Film einen besonderen Glanz verleihen, den man oft bei heutigen Filmen vermisst. Insgesamt macht BEN-HUR einen besseren Gesamteindruck als so mancher neuer Streifen.
Auch tonmäßig bekommt man einiges geboten. Auch die erste Version war in Dolby Digital 5.1 auf der DVD enthalten. Daran hat sich bei der Neuauflage nichts geändert. Aber anders als vergleichbare Produktionen bekommt man hier einen schönen Klangteppich geboten. Das liegt u.a. daran, dass die Kinokopien von BEN-HUR in 6-Kanal-Magnetton-Stereo vorlagen. Damit konnte man bei der Restauration etwas anfangen. Man darf allerdings jetzt keine Soundgewitter erwarten, wie es oft bei einer modernen Produktion zu hören ist. Hauptsächlich ist es Miklós Rózsas genialer Soundtrack, der über die Boxen gut herüberkommt. Allerdings sind auch einige der Hintergrundgeräusche auf die hinteren Kanäle gelegt worden, damit etwas mehr Räumlichkeit geboten wird. Vor allem bei dem legendären Wagenrennen fällt dies auf.
Dem Remake wurde in neuer informativer Audiokommentar des Filmhistorikers T. Gene Hatcher, der gekoppelt wurde mit den Kommentaren von Charlton Heston aus der alten Edition. Allerdings hat Heston nicht viel zu sagen. Das was er von sich gibt ist allerdings nicht sehr informativ, da er über das normale Geplänkel nicht herauskommt.
Die dritte Disc des Set wartet mit der 145minütigen Stummfilmversion des Stoffes aus dem Jahr 1925 auf. Diese unterscheidet sich in ihrer Machart sehr deutlich von dem Remake, da sie sich etwas näher an der literarischen Vorlage hält. Schon in den 80er Jahren wurde der Film aufwendig restauriert und auf seine alte Lauflänge gebracht. Für die DVD wurde diese Vorlage noch einmal etwas gemastert, was dem Film sehr gut getan hat. Für einen über 80 Jahre alten Film macht BEN-HUR eine verdammt gute Figur. Sicher, man kann einige Beschädigungen erkennen, doch die halten sich in Grenzen. Ebenfalls zu verschmerzen ist das teilweise etwas zu weich gezeichnete Bild. Dies ist allerdings schon beabsichtigt gewesen. Das große Highlight sind allerdings einige der ersten Technicolor-Farbszenen, die in einem Film verwendet wurden. Damals konnte das Format noch keine Blau- und Gelbtöne darstellen, was den Bildern einen seltsamen Look verleiht. Dennoch ist es interessant zu sehen, dass man schon damals Stilmittel eingesetzt hat, um die Atmosphäre des Stoffes zu treffen. Solche Stilmittel, die heute mit dem Computer ins richtige Bild gerückt werden, sind also keine Erfindung von Regisseuren wie Ridley Scott, Peter Jackson oder Steven Spielberg, sondern hat es schon viel früher gegeben.
Ton ist bei einem Stummfilm eigentlich relativ unwichtig. Doch im Rahmen der alten Restauration von BEN-HUR hat man auch einen neuen Soundtrack komponieren lassen. Die Musik von Carl Davis, die in Dolby Surround vorliegt, bietet einen interessanten Kontrast zu Rózsas Komposition. Sie ist allerdings nicht schlechter, sondern bietet vielmehr eine interessante Variante, die mindestens genauso episch ist. Auch hier wurde der Ton sauber abgemischt und nutzt die Möglichkeiten des Formats aus.
Die vierte Disc ist den Extras vorbehalten. Neben außerordentlich informativen Dokumentation BEN HUR – MAKING OF AN EPIC aus dem Jahr 1994, findet man auch einen neuen Beitrag mit dem Titel THE EPIC THAT CHANGED THE CINEMA. Darin gehen diverse bekannte Filmgrößen wie Arnon Milchan, Ridley Scott und George Lucas auf die Bedeutung von BEN-HUR für die Filmgeschichte ein. So gibt Lucas zu, dass er in STAR WARS EPISODE 1 eine moderne Version des Wagenrennens wagen wollte und der Produktionsdesigner von GLADIATOR erzählt über seine Suche nach Requisiten aus BEN-HUR in italienischen Studios.
Etwas magerer geraten ist A JOURNEY THROUGH PICTURES, in dem man einiges an Pressematerial zu dem Film geboten bekommt. Leider ist dieser Beitrag recht kurz ausgefallen.
Einen absoluten Archivcharakter haben die Probeaufnahmen, Wochenschauberichte und die Highlights der Oscarverleihung von 1960. Allerdings ist es bei den Probeaufnahmen schon interessant Leslie Nielsen (DIE NACKTE KANONE) als Messala zu erleben.
Für diejenigen, die BEN-HUR noch nicht auf DVD haben, ist die 4-Disc-Collector’s-Edition sicherlich ein interessanter Gedanke. Für die anderen, die schon die erste Auflage besitzen, stellt sich die Frage, ob sich der Kauf lohnt. Das Bild war schon beim ersten Release sehr gut. Allerdings hat die 4-Disc-Edition einiges an Reiz, dem man sich nicht verschließen kann. Die Stummfilm-Version und die zusätzlichen Extras sind sehr sehenswert und man hat alles in einer einzigen Box versammelt. Für den Filmfreund- und -sammler ist diese Edition auf jeden eine Bereicherung.
Hier geht’s zur Soundtrackbesprechung von BEN-HUR.