Titel: Vom Winde verweht

Originaltitel: Gone With The Wind

Regie: Victor Fleming & George Cukor

Darsteller: Clark Gable, Vivien Leigh, Leslie Howard, Olivia de Havilland, Hattie McDaniel, Ann Rutherford, u.a.

Region: Region 2

Bildformat: 1.33 : 1

Ton/Sprachen: Englisch (DD 5.0 & DD 1.0), Deutsch, Spanisch (DD 5.1)

Special Features: Dokumentationen, Kurzfilme, Interview mit Olivia de Havilland, Audiokommentar, u.a.

Die Verfilmung von Magret Mitchells Südstaaten-Epos gilt auch fast siebzig Jahre nach ihrer Entstehung als einer der legendärsten Filme, die die Traumfabrik Hollywood je zustande gebracht hat. Mit unglaublichen Aufwand wurde die Geschichte von Scarlett O’Hara vor dem Hintergrund des amerikanischen Bürgerkriegs auf die Leinwand gebracht. Dabei ging man mit einer Mühe vor, die selbst heutige Produktionen wie TITANIC etwas billig aussehen lässt. VOM WINDE VERWEHT hat aber nicht nur wegen seines phänomenalen Erfolges Filmgeschichte geschrieben, sondern auch wegen der Tatsache, dass er eine der ersten Prestigeproduktionen war, die im damals teuren Technicolor-Verfahren gedreht wurden. Das Projekt verschliss mehrere Regisseure und zuerst sah es wirklich so aus, als würde das Epos als eines der ersten großen Desaster in die Filmhistorie eingehen. Aber es gibt mittlerweile genug Beispiele dafür, dass oft chaotische Zustände bei den Dreharbeiten und überzogene Budgets dennoch ein Leinwandereignis hervorbringen kann, das seinesgleichen sucht. Zwei recht aktuelle Beispiele dafür sind James Camerons TITANIC oder Peter Jacksons HERR DER RINGE-Trilogie.

Bereits im Jahr 2000 ist das große Aushängeschild der Filmgesellschaft MGM bei Warner Home Video erschienen. Damals noch als Flipper mit einer eher durchwachsenen Bildqualität. Für das 65jährige Jubiläum des Films wurde eine von den Originalnegativen gefertigte, neu restaurierte Fassung gefertigt, die dem Cineasten im positiven Sinne die Tränen in die Augen treibt.

Die Bildqualität steht vielen neuen Produktionen in Nichts nach. Teilweise übertrifft sie sie sogar bei weitem. Die kräftigen Technicolorfarben wirken frisch und knackig. Die Schärfe überzeugt während des ganzen Films, während der Detailreichtum des Bild einfach nur begeistert. Vor allen in dem Massenszenen erkennt man viele Sachen, die man in den vorigen Versionen nur schwer oder gar nicht erkannt hat. Das liegt daran, dass man für den HD-Transfer die neuste Computertechnik angewandt hat, die das Filmbild nicht nur reinigte, sondern auch eben diese neuen Details an den Tag brachte. An Beschädigungen oder Verunreinigungen ist nicht wesentliches zu bemerken. Nur in einigen Szenen ist ab und zu der Bildstand etwas unruhig, was aber bei einem Streifen diesen Alters zu verschmerzen ist. Insgesamt wird hier gezeigt, was man heutzutage mit der richtigen Restauration zu leisten vermag.

Obwohl der Ton in Dolby Digital 5.1 vorliegt sollte man von einem Werk aus dem Jahr 1939 nicht soviel erwarten. Die Soundszenerie spielt sich hauptsächlich auf den vorderen Lautsprechern ab. Nur die Musik vermittelt etwas Räumlichkeit. Die Dialoge klingen klar und frisch aus dem Center. Der deutschen Fassung wurde ebenfalls ein Upmix gegönnt, das aber nur wenig Nutzen bringt. Die Stimmen klingen nach wie vor sehr verzerrt, aber dafür etwas kräftig. Für Puristen und als Referenz hat man außerdem noch eine restaurierte Version der originalen Monospur auf die DVD gepackt, die ebenfalls ihre Vorzüge hat. Auf die reine Soundtrackspur, die auf der US-DVD enthalten ist, fehlt bei der deutschen Edition leider.

Warner Home Video setzt bei den Special Features auf den Standard, den sie mit den HERR DER RINGE Special Extended Editions gesetzt haben. Der Reigen beginnt mit einem Audiokommentar des Filmhistorikers Rudy Behlmer, der einiges an Informationen zu diesem Film zusammengetragen hat. Weiter geht es auf der dritten DVD mit einer großen Dokumentation über Entstehung des Films, die noch einiges mehr vertieft. Obwohl dieser Beitrag schon einige Jahre auf dem Buckel hat, hat er an Aktualität nichts verloren. Vor allem kommen hier noch viele Leute zu Wort, die damals an VOM WINDE VERWEHT mitgearbeitet haben. Sehr sehenswert ist die Featurette über die Restauration des Films. Hier bekommt man einen umfassenden Einblick in die Arbeit des Teams, das bei Warner Brothers für solche Arbeiten verantwortlich ist. Weiter geht es mit Archivmaterial über die Premiere in Atlanta 1939, der Wiederaufführung zur 100jährigen Jahrestag des Bürgerkriegs, einem Kurzfilm über den amerikanischen Süden von Fred Zinneman und zahlreichen Trailern zum Start und den Wiederaufführungen des Films. Von besonderem Interesse ist hier der Trailer zur 70 mm-Version des Films, in das der Film Ende der 60er Jahre aufgeblasen wurde. Sehenswert sind auch die Specials über die verschiedenen internationalen Fassungen und dem Prolog, der ihnen vorangestellt wurde.

Der Schwerpunkt der vierten DVD liegt bei den Darstellern. Die Kernstücke sind dabei zwei Dokumentationen über Clark Gable und Vivien Leigh, die zwar auch älteren Datums, aber dennoch sehenswert sind. Aber auch auf die weiteren Karrieren der anderen Darsteller wird in kleinen Featurettes eingegangen. Das große Highlight der vierten DVD ist jedoch das Interview mit Olivia de Havilland (Melanie), der einzigen Überlebenden der Hauptdarsteller. Sie zeigt sich als große Erzählerin, die noch einiges mehr an Informationen und Anekdoten einzubringen weiß.

Sehr liebevoll gestaltet wurden die Menüs und auch die Übergänge. Zu fast jedem Menüpunkt gibt es eine kleine Einleitung, die von Christopher Plummer gesprochen wird, dessen Stimme auch schon bei der großen Making Of-Dokumentation auf Disc 3 zu hören ist. Die meisten Menüs sind mit dem Soundtrack des Film unterlegt.

Insgesamt gesehen hat Warner Home Video mit diesem 4-DVD-Set einen richtigen kleinen Meilenstein geschaffen. Eines der größten Werke in der Filmgeschichte wird so in mehr als angemessener Form gewürdigt. Dabei setzt man den hochwertigen Standard fort, den man zum einem mit den Special Editions von CASABLANCA oder DIE ABENTEUER DES ROBIN HOOD gesetzt hat. Auf den ersten Blick wirken schon die Features erschlagend, erweisen sich aber bei näherem Hinsehen als interessant und informativ. Alles im allem also eine runde Mischung, die man sich ohne große Bedenken in die Sammlung stellen kann. Eine Tatsache, die durch den günstigen Preis von rund 25 Euro noch unterstützt wird.

 

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