Titel: Casino Royale

Originaltitel: Casino Royale

Regie: Val Guest, Kenneth Hughes, John Houston, Joseph McGrath, Robert Parrish

Darsteller: David Niven, Peter Sellers, Ursula Andress, Orson Welles, Daliah Lavi, Woody Allen, u. v. m.

Region: Region 1

Bildformat: 2.35 : 1 (anamorph)

Ton/Sprachen: Englisch (Dolby Digital 5.1, Mono), Spanisch (Mono)

Special Features: Making of-Featurette, Trailer, Original “Casino Royale” Made-for-TV-Movie

Copyright by MGM/UA Home Entertainment

Ende der 60er Jahre gehörten die James Bond-Filme zu den kassenträchtigsten Filmen, die es in den Kinos zu sehen gab. So verwundert es nicht, dass auch andere Produzenten und Filmgesellschaften versuchten einen Stück vom Kuchen ab zu bekommen. Das Problem lag allerdings darin, dass Eon Productions die Rechte an fast allen James-Bond-Romanen und -Kurzgeschichten hielt. Tja, aber nur fast alle. Der 1952 erschienene CASINO ROYALE bildete die Ausnahme. Bereits 1954 war der Stoff fürs Fernsehen verfilmt worden und relativ sang und klanglos untergegangen. Die Macher der neuen Verfilmung von CASINO ROYAL wussten, dass sie mit einer getreuen Umsetzung des Stoffes keinen Blumentopf gewinnen konnten. Dazu war der Standard, denn die Connery-Filme gesetzt hatten zu hoch. Man entschied sich für eine Parodie.

James Bond (David Niven) wird nach dem Tod von M aus dem Ruhestand zurückgeholt. Obwohl er zuerst ablehnt, können ihn die Geheimdienst-Chefs der anderen Nationen durch die Sprengung seines Ruhesitzes davon überzeugen, wieder im Dienst Ihrer Majestät zu arbeiten. Seine Aufgabe ist es die Organisation SMERSH und ihren Chef Le Chiffre zu bekämpfen, dessen Baccarat-Gewinne zur Finanzierung seiner Aktionen dienen. Einer davon ist das systematische Töten von Agenten. Bond selbst tritt nun auf den Plan, um seinem Feind zu zeigen, was eine Harke ist...

Was kommt heraus, wenn man fünf Regisseure in ein Filmprojekt wirft. Entweder ein Meisterwerk oder absolutes Chaos. Für CASINO ROYALE gilt eher letzteres. Das konfuse Drehbuch, an dem rund zehn Autoren gearbeitet haben, ist um die Gastauftritte zahlreicher Stars herumgeschrieben, die sich die Klinke in die Hand geben. Zwar sind noch einige kleine Grundelemente der Vorlage zu erkennen, aber auch diese Verfilmung hat ansonsten mit den James Bond-Romanen nicht viel gemein. Sicher, David Niven, Peter Sellers und Woody Allen machen als James Bond bzw. Little Jimmy Bond eine gute Figur, aber dennoch versandet der Film irgendwo in die Richtung von absolutem Chaos, das im Verlauf noch weiter zunimmt. Man hat keine Kosten und Mühen gescheut, um den Film gut aussehen zu lassen. Das macht ihn zu einem grellbunten Comic, dass man wirklich nicht ernst nehmen kann. Aber das will der Streifen auch gar nicht.

Nachdem MGM/UA im Jahr 2000 alle Rechte an allen Bond-Produkten vor Gericht erstritten hatte, erschien dieser Film ebenfalls auf diesem Label, obwohl er eigentlich von Columbia Pictures gemacht wurde. Hintergrund des Streits war die erneute Verfilmung von THUNDERBALL, der ja schon mit SAG NIEMALS NIE ein Remake erfahren hatte. MGM/UA wollte für alle Zeiten klären, wo die Rechte der James Bond-Romane und -Filme lagen. Ähnlich wie der schon erwähnte SAG NIEMALS NIE ist auch diese DVD nicht im Rahmen der “offiziellen” Bond-Edition erschienen, sondern als Einzeltitel.

Interessanterweise unterscheiden sich die DVD-Releases von CASINO ROYALE in Europa und den USA sehr voneinander. So wirkt die europäische Version gegenüber ihrem amerikanischen Pendant etwas sehr lieblos.

Die entscheidenden Unterschiede zeigen sich in der technischen Umsetzung. Das Bild wurde für die US-Version anamorph abgetastet, allerdings nicht restauriert. Dennoch ist der Gesamteindruck überraschend gut. Kräftige Farben, eine hohe Rate an Details, ein solider Kontrast und eine sehr gute Schärfe lassen den mittlerweile über 40 Jahre alten Film in großem Glanz erstrahlen. Interessanterweise wurde das Master, das nur wenige Schäden aufweist, für die US-Verwertung anamorph abgetastet.

Der Ton liegt in der englischen Version sowohl in Mono als auch in Dolby Digital 5.1 vor. Natürlich kann das Upmix nicht mit einem Film neueren Datums mithalten, dennoch hört sich das Ergebnis interessant an. Allerdings kommt nur die Musik im Easy Listening-Stil von Burt Bacharach räumlich herüber. Die meisten Toneffekte und die Dialoge spielen sich auf den Fronlautsprechern ab. Auch die original Tonspur beeindruckt mit klaren Dialogen, wobei diese hier ein wenig besser klingen als bei dem 5.1-Pendant.

Im Gegensatz zur europäischen Version besitzt die amerikanische einige interessante Extras. Den Anfang macht eine Making of-Featurette mit dem Regisseur Val Guest, der einiges über die sehr turbulente Produktionsgeschichte des Films zu erzählen hat. Der Clou der Specials ist jedoch die allererste filmische Umsetzung von CASINO ROYALE aus dem Jahr 1954, in der Barry Nelson die Hauptrolle spielt. Es handelt sich dabei um eine live gespieltes Fernsehspiel aus der Reihe Climax Mystery Theatre, in der Nelson einen amerikanischen Bond gibt. Obwohl etwas kurz geraten besticht das Fernsehspiel durch aufwendige Dekorationen und einer interessanten Kameraführung, auch wenn die Bildqualität etwas zu wünschen übrig lässt. Andereseits sollte man dankbar sein diese Version sehen zu können, denn sie galt viele Jahre lang als verschollen. Außerdem besitzt sie nicht den Charme der späteren Verfilmungen, auch wenn man mit Peter Lorre einen sinistren Le Chiffre vorweisen konnte. Dennoch ist diese Version nicht nur für Sammler interessant. Abgerundet werden die Specials mit einem Trailer des Kinofilms von 1967.

Welcher DVD-Version man als Sammler den Vorzug geben sollte, steht außer Frage; sofern sich das Problem mit dem Regionalcode sich einem nicht stellt. Die US-Version hat in jeder Beziehung gegenüber der europäischen die Nase vorn. Außerdem bekommt man mit der ersten Verfilmung von CASINO ROYALE etwas geboten, wonach man in Europa auf DVD noch vergeblich sucht. So ist die Scheibe nicht nur etwas für Sammler.