Titel: Casino Royale

Originaltitel: Casino Royale

Regie: Martin Campbell

Darsteller: Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Jeffrey Wright, Judi Dench, u. a.

Region: Region 2

Bildformat: 2,40 : 1 (anamorph)

Ton/Sprachen: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Special Features: Audiokommentare, 9 Dokumentationen, Deleted Scenes, Musicvideo, Profile der Filmemacher, u. a.

Copyright by Sony Pictures Home Entertainment

Nach zwei professionellen Anschlägen wird James Bond in den Doppel-0-Status befördert. Sein erster Auftrag endet gleich in einem Fiasko, denn er verletzt einige Regeln der internationalen Diplomatie und wird von M in Urlaub geschickt. Doch Bond gibt keine Ruhe. Bei seinem Auftrag brachte er einen Terroristen zur Strecke, der für eine weitaus größere Organisation arbeitet. Der Agent stößt bei seiner Suche auf Alex Dimitrios, von dem die Spur weiter zu einem Mann führt, der “Le Chiffre” genannt wird. Dieser ist als Geldwäscher des internationalen Terrorismus bekannt. Über Dimitrios Frau Solange gelangt Bond an Informationen, die den Anschlag auf das größte Flugzeug der Welt verhindern. Damit gerät er ins Ziel von Le Chiffre, der einen schweren Fehler gemacht hat: Er hat mit dem Geld seiner Klienten an der Börse spekuliert und der Anschlag hat rund 100 Millionen Dollar vernichtet. In Montenegro zieht Le Chiffre ein Pokerturnier auf, um wieder an das Geld zu kommen. Da Bond der beste Pokerspieler ist, den M gerade zur Verfügung hat, schickt sie James Bond dorthin, um den Geldwäscher auf die Seite des britischen Secret Service zu ziehen. Zusammen mit Vesper Lynd, die das Geld für den Einsatz verwaltet, macht sich Bond auf den Weg nach Montenegro. Er ahnt nicht, dass dort ein Psychospiel auf Leben und Tod beginnen wird...

Nach dem großen Erfolg von STIRB AN EINEM TAG war guter Rat teuer. Wie wollte man diesen Eintrag in die Bond-Serie noch toppen? Eine Frage, die etwas aufgeschoben werden musste, denn das Schicksal des ganzen Franchise stand kurz nach dem 20. Bond-Film auf der Kippe. Das geldgebende Studio, MGM/United Artists, hatte schon seit langem mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zwar hatte man im TV-Bereich Erfolge mit dem STARGATE-Franchise und im Kino war die Bond-Reihe eine Cash Cow, dennoch hatte sich auf der Habenseite zu viele kostspielige Flops angesammelt, an denen das Studio zu knabbern hatte. Das Ende vom Lied war, dass MGM/UA vom Konkurrenten Sony Pictures, auch bekannt als Columbia Pictures, eingekauft wurde. Witzigerweise vom dem Konkurrenten, der im Jahr 2000 einen großen Prozess um die Filmrechte der Bond-Romane verloren hatte. Und genau diese Tatsache eröffnete eine Möglichkeit, die die Produzenten vorher nicht hatten: den einzigen Bond-Roman zu verfilmen, der noch nicht für die “offizielle” Reihe verwendet worden war.

Die erste Verfilmung des Stoffes hatte es 1954 für das amerikanische Fernsehen gegeben. Als Live gespieltes Fernsehspiel flimmerte es über die Bildschirme. Barry Nelson als Jimmy Bond und der unvergessene Peter Lorre als Le Chiffre waren die ersten, die in einer visuellen Umsetzung von Ian Flemings Agenten agierten. Aber eben weil Fleming die Filmrechte an CASINO ROYALE schon viel früher verkauft hatte, war er kein Bestandteil des Pakets, das später Cubby Broccoli und Harry Saltzman erworben haben. Als der britische Agent dann immer populärer wurde, nutzten die Inhaber der mittlerweile weiterverkauften Rechte die Gunst der Stunde, um eine weitere Version auf die Leinwand zu bringen. 1967 erschien im Verleih von Columbia Pictures eine grellbunte Agentenparodie mit dem Titel CASINO ROYALE auf der Leinwand. Aber auch diese Version bot keine getreue Verfilmung der Vorlage, sondern vielmehr viel Geplänkel ohne James Bond.

Nachdem die Rechtslage für CASINO ROYALE nun geregelt war, musste ein jüngerer Bond her. Immerhin sollte es quasi einen Neustart der Serie mit diesem Film geben. Wie so etwas funktionierte, hatte 2004 BATMAN BEGINS gezeigt. Pierce Brosnan war den Produzenten zu alt, also begann die Suche nach dem passenden Darsteller. Zwischen 2004 und 2005 drehte sich das Besetzungkarusell heftig. Schauspieler wie Hugh Jackman, Clive Owen oder Ewan McGregor waren im Gespräch, doch keiner wollte in die Schuhe Bonds schlüpfen. Nach langer Auswahl fiel die Wahl auf den damals noch relativ unbekannten Daniel Craig. Craig, übrigens erst der zweite Brite, der den Agenten spielt, stieß bei seiner Präsentation nicht unbedingt auf die Gegenliebe der Fans und der Presse. Während der Dreharbeiten zu CASINO ROYALE wurde er oft als Weichei und Jammerlappen dargestellt. Viel Spott musste er ertragen, um letztendlich aufzutrumpfen.

Unter der Regie von Martin Campbell, der schon 1995 das Franchise mit GOLDENEYE wieder aus der Versenkung holte, entstand ein kompromissloser Actionfilm, der zwar einiges an Charme der alten Bonds vermissen lässt, aber auf der Höhe der Zeit ist. Das Drehbuch von Neal Purvis und Robert Wade war noch mal von Oscarpreisträger Paul Haggis (MILLION DOLLAR BABY, FLAG OF OUR FATHERS) gründlich auf Hochglanz geschliffen worden. Im Gegensatz zu vielen der alten Serienbeiträge setzte man nun auf eine gewisse Werkstreue. Immerhin ist Bond in diesem Stoff noch nicht der Superagent, den man kennt.

Interessant ist auch die Darstellung Bonds durch Daniel Craig. Er gibt seinem Helden eine raue Schale, unter der ein gefühlvoller Mensch liegt, der auch bereit ist einen Mord zu begehen, um weiterzukommen. Craigs Leinwandintensität ist einiges am Flair des Films zu verdanken. Mit Eva Green hat man ihm eine gleichwertige Darstellerin zur Seite gestellt. Ihre undurchsichtige Vesper Lynd entwickelt sich im Verlauf des Films zu einer der besten weiblichen Figuren der ganzen Serie. Der Däne Mads Mikkelsen gibt einen sehr düsteren Le Chiffre, der ganz in die moderne Zeit passt, aber auch einiges von seinem literarischen Vorbild hat.

Nachdem man 2007 CASINO ROYALE in zwei Versionen auf den Markt gebracht hat, hat Sony Home Entertainment rechtzeitig zum Start von EIN QUANTUM TROST eine Deluxe Edition auf DVD und Bluray herausgebracht. Das DVD-Set setzt sich aus drei Scheiben zusammen. Die ersten beiden sind inhaltlich mit der vorangegangenen Doppel-DVD identisch, während die dritte neues Bonusmaterial bietet.

Der Bildtransfer ist so wie man es bei einem neueren Film erwartet. Alle Werte bewegen sich auf hohem Niveau, die Fehler, die Sony in den letzten Jahren bei seinen DVDs gemacht hat, findet man hier kaum. Kein Wunder, ein Titel wir CASINO ROYALE darf sich keine Schwächen erlauben. Zu Harsch wären die Reaktionen der Konsumenten. Durch den Einsatz von diversen Stilmitteln ist ein abschließendes Urteil etwas schwerer, doch das Bild macht insgesamt in allen Lagen einen sehr guten Eindruck.

Beide Tonspuren liegen in Dolby Digital 5.1 vor und besitzen einiges an Druck. Neben den Toneffekten ist es vor allem die grandiose Musik von David Arnold, die viel zur Räumlichkeit beiträgt. Die Effekte kommen klar differenziert über die vorgesehenen Kanäle, ergeben eine beeindruckende Soundkulisse. Allerdings stellt sich auch die Frage, warum man auf eine DTS-Tonspur verzichtet hat, die sicherlich noch etwas mehr Druck herausgeholt hätte.

Die erste Disc ist dem Film, zwei informativen Audiokommentaren und einer Trailershow vorbehalten. Auf der zweiten Disc werden die Aspekte der Entstehung von CASINO ROYALE beleuchtet, wobei viele interessante Aspekte zur Sprache kommen, die bei anderen Making ofs etwas unter den Tisch fallen. Außerdem bekommt man Einblicke in die Arbeit des Stuntteams und das Musikvideo von Chris Cornell mit dem Song zu Film ist ebenfalls enthalten. Interessant, aber mehr als Archivmaterial zu sehen, ist auch die Dokumentation Bond Girls Are Forever, bei der Maryam D’Abo einige der alten Bondgirls besucht und interviewet. Stand der Doku ist allerdings STIRB AN EINEM ANDEREN TAG.

Disc 3 wartet mit neuen Zusatzmaterial auf. Den Anfang machen vier Deleted Scenes, die im Prinzip ihren Namen auch verdienen. Interessant ist allerdings, dass sie relativ spät aus dem Film gefallen sein müssen, denn sie sind schon fertig bearbeitet. Weiter geht es mit Dokumentationen über die Geschichte von CASINO ROYALE, über Ian Fleming, über die Bedeutung der Bahamas für die Bond-Filme und vielen weiteren Hintergrundaspekten. Alles in allem wird ein sehr rundes Bild über den 21. Bond-Film geboten.

Ob sich der Kauf der Deluxe Edtion von CASINO ROYALE für denjenigen lohnt, der sich schon die alte Doppel-DVD zugelegt hat, sei dahingestellt. Für jeden anderen Bond-Fan ist sie wärmstens zu empfehlen, weil sie sich nahtlos in die Special Editions der alten Filme einreiht. Hinzu kommt noch ein sehr schön gemachtes Booklet und ein ansprechendes Digipack in einem schönen Schuber. Auf jeden Fall eine Kaufempfehlung.