
Originaltitel: How the West was won
Regie: Henry Hathaway, John Ford, George Marshall
Darsteller: Carroll Baker, Lee J. Cobb, Henry Fonda, Carolyn Jones, Karl Malden, Gregory Peck, George Peppard, Robert Preston, Debbie Reynolds, James Stewart, Eli Wallach, John Wayne, Richard Widmark, Spencer Tracy, u. a.
Region: Region 2
Bildformat: 2.89 : 1 (Vollbild)
Ton/Sprachen: Englisch, Deutsch, Spanisch (DD 5.1)
Special Features: Dokumentation: Cinerama Adventure
Nachdem das Fernsehen dem Kino in den USA der 50er Jahre immer mehr den Rang abzulaufen schien, war in den Studios guter Rat teuer. Was konnte man dem Zuschauer als Attraktion bieten, damit man ihn wieder vor Leinwand ziehen konnte. Die Lösung lag darin ihm ein visuelles Erlebnis zu geben, das er nicht so schnell vergessen sollte. Schon früh hatte man mit verschiedenen Breitwandformaten experimentiert, aber keines hatte einen solchen Eindruck hinterlassen wie Cinerama. Anfang der 50er Jahre hatte man mit dem Streifen THIS IS CINERAMA! gezeigt, wie man einen dauerhaften Kinoerfolg mit modernster Technik bewerkstelligen konnte. Das Cinerama-Format bot die Möglichkeit eine große epische Breite auf den Screen zu bringen. Dafür wurde der Film mit einer speziellen Kamera gefilmt. Die spätere Vorführung fand dann auf einer gebogenen Leinwand statt, die sich um den Zuschauerraum spannte. Drei miteinander synchronisierte Projektoren warfen ihre Bilder auf sie, was zu einem bis dahin nie mehr erreichten Filmerlebnis führte. Nachdem man mit Dokumentarformaten große Erfolge erzielt hatte, wollte man nun auch Spielfilme in Cinerama drehen. Ein lobenswertes Vorhaben, das allerdings schon nach zwei Filmen aufgegeben wurde. Die Kosten und der technische Aufwand waren einfach zu groß. So blieb es, was die echten Cinerama-Filme angeht, nur bei THE WONDERFUL WORLD OF THE BROTHERS GRIMM und HOW THE WEST PROGRAMM. Danach bekamen zwar immer noch Kinofilme das Cinerama-Logo, diese waren jedoch nicht nach dem eigentlichen technischen Prinzip des Formats gedreht worden.
DAS WAR DER WILDE WESTEN basiert auf einer Buchreihe von Time Life, in der es um die Eroberung des Westens der USA geht. Etwas romantisierend wird doch die Landnahme der weißen Siedler geschildert, wie man es in den 50er und 60er Jahren gerne gesehen hat. Für die filmische Umsetzung konzentrierte man sich auf fünf verschiedene Abschnitte: Der Fluss, der Planwagen, der Bürgerkrieg, die Eisenbahn und die Desperados. Mit Henry Hathaway, John Ford und George Marshall hatte man drei Regisseure, deren Werkliste eine Menge Genreklassiker aufwiesen. Gespickt wurde die interessante Story mit so vielen Stars, wie man auftreiben konnte. Sogar viele der Nebenrollen sind mit bekannten Gesichtern besetzt, die man aus verschiedenen Western gut kennt.
Die Geschichte konzentriert sich auf die Schwestern Eve und Lilith Prescott, aus deren Sicht die Geschichte des Westens erzählt wird. Alles beginnt damit, dass die Geschwister mit ihren Eltern unterwegs in den Westen sind. Über den Eriekanal und die großen Flüsse will man dorthin gelangen. Unterwegs trifft die Familie auf den Trapper Linus Rawlings, der eigentlich unterwegs zurück in die Zivilisation ist. Doch sein Schicksal verbindet sich mit Eve Prescott, die er später heiraten wird. Nachdem ihre Eltern bei einem tragischen Unglück ums Leben gekommen sind, trennen sich die Wege der Schwestern. Während Eve dort bleibt, wo die Eltern gestorben sind, zieht es die lebenslustige Lilith nach Osten auf die Bühne. Doch auch sie zieht mit einem Treck nach Westen, denn ein Verehrer hat ihr eine Goldmine vermacht. Ihr schließt sich der windige Cleve Van Valen an, der in ihr eine gute Partie sieht, um seine Schulden zu bezahlen. Doch die Mine erweist sich als leer und die Wege der beiden trennen sich. Doch auf einem der großen Flüsse treffen ihre Pfade wieder zusammen. Cleve und Lilith heiraten.
Der Bürgerkrieg macht auch nicht vor dem Haushalt der Rawlings halt. Nachdem schon Linus in den Krieg gezogen ist, hält es seinen Sohn Zeb ebenfalls nicht mehr lange auf der heimatlichen Farm. Bei Shiloh lernt er das Grauen des Krieges kennen. Dennoch bleibt er nach dem Krieg in der Armee, um beim Bau der Eisenbahn zu helfen. Schnell bemerkt er wie schnell blinder Fortschrittsglaube zu katastrophalen Ergebnissen führen kann. Nach einem Angriff von Indianern, die eine Herde Büffel über das Camp der Bahnarbeiter rasen ließen, entschließt er sich seinen Dienst zu quittieren, um weiter in den Westen zu ziehen. Er wird Marshal und versucht Recht und Ordnung zu verbreiten...
Obwohl sich die drei Regisseure mit der Aufnahmetechnik von Cinerama schwer taten, schufen sein ein beeindruckendes Ergebnis, das man ruhigen Gewissens als einzigartig bezeichnen kann. Gewaltige Landschaftsaufnahmen unterstreichen die epische Geschichte mit grandiosen Bilder und die Darsteller bringen ihre Charaktere sehr glaubwürdig rüber. Hinzu kommt noch der gewaltige Soundtrack von Alfred Newman, der mit HOW THE WEST WAS WON eine der letzten großen Westernfilmmusiken geschaffen hat. So wird HOW THE WEST WAS WON zu einem der absoluten Highlights des amerikanischen Edelwesterns.
Lange Zeit hat man in Europa auf eine DVD-Veröffentlichung warten müssen. Vielleicht war das auch gut so, denn die US-Releases von MGM/UA und Warner Home Video beeindruckten nicht gerade mit einer besonderen Qualität. Für das Jubiläumsjahr von Warner Brothers hat man den Streifen noch mal einer intensiven Restaurierung unterzogen. Das Master wurde auch mit Blick auf die Verwertung auf Bluray in HD gezogen, was noch mal einen Qualitätssprung bedeutet.
DAS WAR DER WILDE WESTEN macht bildtechnisch eine absolut perfekte Figur. Schmutz und Beschädigungen sind kaum festzustellen, ebenso wie Bildrauschen. Die Schärfe bewegt sich auf einem hohen Niveau und die Farben erstrahlen im schönsten Technicolor. Einen sehr guten Eindruck macht das Bild auch in dunklen Szenen, wo nur wenig zu wünschen übrig bleibt. Insgesamt ein Ergebnis, das man sich bei mancher neuen Produktion wünschen würde. Eben weil Cinerama etwas breiter als das normale Cinemascope-Bild ist, liegt der Film in einem Format von 2.89 : 1 vor. So macht der Film eigentlich nur auf einem größeren TV-Gerät Spaß. Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass man die beiden Längsstreifen, die die Projektionsgrenzen bezeichnen, digital entfernt wurden. Dies gelingt zwar nicht immer perfekt, aber in weiten Teilen fallen sie nicht mehr auf. Wie der Film vor der Restauration ausgesehen hat, kann man am beigefügten Trailer erkennen.
Von einem rund 50 Jahre alten Film sollte man kein Tongewitter einer modernen Produktion erwarten. Dennoch kann sich das 5.1-Mix sehen lassen. Vor allem der Soundtrack von Alfred Newman profitiert von einer gewissen Räumlichkeit. Die Dialoge sind in allen Versionen gut zu verstehen, wobei die englische Version sehr frisch klingt.
Den über zweieinhalb Stunden langen Film hat man auf zwei DVD aufgeteilt. Auf der ersten ist als Extra noch der Trailer des Films enthalten. Das einzige weitere Special Feature ist ein Audiokommentar, in dem verschiedene Aspekte des Films informativ beleuchtet werden. Das eigentliche große Special ist die Dokumentation CINERAMA ADVENTURE, die die Entstehung des Bildformats sowie seine Geschichte, die gedrehten Filme und die Folgen von Cinerama beleuchtet. Mit über 90 Minuten Laufzeit bekommt man einen kompakten Blick in die Filmgeschichte geboten, der sehr interessant ist.
Auch wenn man sich vielleicht etwas mehr über den Film selbst bei den Extras gewünscht hätte, bietet die DVD von DAS WAR DER WILDE WESTEN eine Vorstellung, von der man beeindruckt sein kann. Bild und Ton sind nahezu perfekt, zeigen was das mittlerweile oft totgesagte DVD-Format noch in sich stecken hat. Sicher, die Umsetzung auf Bluray ist sicherlich einen Tick besser, aber auch die DVD ist schon mehr als ausreichend. Endlich kann man sich einen der großen Westernklassiker in einer würdigen Form in sein Regal stellen.