Titel: Für eine Handvoll Dollar/Für ein paar Dollar mehr
Originaltitel: For a Fistful of Dollars/For A Few Dollars more
Regie: Sergio Leone
Darsteller: Clint Eastwood, Gian Maria Volenté, Lee Van Cleef, Marianne Koch, Wolfgang Luckschy, Klaus Kinski, u.a.
Region: Region 2
Bildformat: 2.35 : 1
Ton/Sprachen: Englisch (Mono, DD 5.1), Deutsch (Mono)
Special Features: Audiokommentare, Interviews, Dokumentationen, u. v. m.
FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR
Ein Fremder kommt in eine kleine Stadt jenseits der amerikanischen Grenze, in der sich zwei rivalisierende Banden einen gnadenlos Krieg auf dem Rücken der Anwohner liefern. Zusammen terrorisieren sie die Gegend, achten aber immer darauf, sich gegenseitig eins auszuwischen. Der Fremde sieht seine Chance gekommen, einen schnellen Dollar zu machen, indem er sich auf die Seite des skrupellosen Ramón Rojo schlägt und ihn gegen seine Gegner ausspielen will. Ein Vorhaben, das nicht so einfach ist, wie er gedacht hat...
Als Sergio Leone den japanischen Film YOJIMBO im Kino gesehen hatte, überkam ihn die Vision, den universellen Stoff als Western auf die Leinwand zu bringen. Kein Wunder, denn Akira Kurosawa, von dem die Vorlage stammt, hatte bei seinen großen Filmen wie DIE SIEBEN SAMURAI oder YOJIMBO die Filme des amerikanischen Regisseurs John Ford im Sinn, dessen Western Maßstäbe in der Filmgeschichte gesetzt haben. Sergio Leone brachte den Film mit Hilfe von italienischen, französischen, spanischen und deutschen Geldgebern auf die Leinwand. Seinen Wunschstar, Henry Fonda, bekam er nicht, aber dafür einen damals noch relativ unbekannten Schauspieler, der sich in einer Western-TV-Serie seine ersten Sporen verdient hatte: Clint Eastwood. Dieser hatte genau die Ausstrahlung, die sich Leone von seinem Charakter gewünscht hatte. Was noch hinzukam war die Tatsache, dass Eastwood ebenfalls Ideen für den Charakter hatte, die dem Regisseur sehr entgegen kamen. So legte der amerikanische Schauspieler beispielsweise Wert darauf, dass seine Dialoge auf ein Minimum beschränkt wurden. Eine sehr große Gelegenheit für den Bildkomponisten Leone seinen besonderen Stil zu kreieren, der sich in den folgenden Filmen noch weiter verfeinern würde und auch heute noch oft zitiert wird.
Neben Clint Eastwood brilliert Gian Maria Volonté als sadistischer Ramón und in weiteren Nebenrollen sind gestandene deutsche Schauspieler wie Wolfgang Lukschy und Sieghardt Rupp zu sehen. Die weibliche Hauptrolle wird von Marianne Koch gespielt, die hier eine sehr leone-untypische Frauenfigur verkörpert. Marianne Koch wurde in Deutschland einem breiten Publikum in den 50er Jahren durch eine Reihe von Heimatfilmen bekannt. Viele dürften sie auch noch aus der TV-Werbung der Gardinenfirma Ado aus den 70er Jahren kennen.
Im europäischen Ausland wurde FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR von MGM/UA veröffentlicht. Für den deutschen Markt hat Paramount Pictures die Rechte erworben, die sie sehr gut ausgenutzt. So wurde extra für Deutschland ein neues Master gezogen, das zwar auf der MGM-Restauration beruht, aber dennoch einen eigenen Touch besitzt. Auf dem normalen TV bekommt man ein recht brilliantes Bild geboten, das man bei einem Film dieses Alters und dieses schmalen Budgets nicht erwarten würde. Die Farben sind kräftig und lassen die kargen spanischen Landschaften im Sonnenlicht erstrahlen. Die Schärfe bewegt sich auf einem hohen Niveau, wobei allerdings ab und zu eine gewisse Unruhe zu bemerken ist. Dennoch wirkt das Bild frisch und sauber. An verschiedenen Stellen war zu lesen, dass es bei der Benutzung eines Beamers zu Schwierigkeiten mit dem Bild kommen kann. Leider konnte der Rezensent dies nicht näher untersuchen, da er keinen Beamer besitzt.
Der deutsche und der englische Ton liegen mono vor. Allerdings wurde der Ton auf die zwei vorderen Lautsprecher gelegt, was ihn etwas räumlicher erscheinen lässt. Beide Tonspuren haben altersbedingt ihre Schwächen, sind aber dennoch gut verständlich. Ob die Übernahme des Dolby Digital 5.1-Upmixes von MGM/UA so sinnvoll war, bleibt eine Sache, über die man streiten kann. Der DD-Ton klingt recht dünn und auch der Einsatz neuer Soundeffekte ist zu bemerken. Den einzigen Vorteil besitzt der Einsatz von Ennio Morricones genialem Soundtrack, der in dieser Version etwas räumlicher klingt. Eine wirkliche Bereicherung ist der Dolby Digital-Sound allerdings nicht.
FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR erscheint mit dieser Doppel-DVD zum ersten Mal in seiner ungekürzten Form in Deutschland. So war es schwer, die passende deutsche Synchronisation zu finden, denn auch die von Pro Sieben restaurierte Fassung entsprach nicht der Originallänge. So entschied man sich bei TLE Films, die auch die NOBODY-Filme restauriert hatte, für die alte Originalsynchronisation und passte diese an den Film an (die alte Version war oft nicht lippensynchron). Man muss die Arbeit von TLE Films auf jeden Fall loben, denn sie haben einen sehr großen Beitrag für die hervorragende Qualität des Westerns geleistet.
Die Extras wurden zum größten Teil von der MGM/UA-Edition übernommen. Den Anfang macht ein Audiokommentar auf der ersten Disc von Leone-Biograf Sir Christopher Frayling, der sehr informativ ist. Auf der zweiten Disc werden die Infos in einigen Featurettes noch vertieft. Allerdings besitzen sie nicht ganz die Tiefe, wie man sie sich bei einem Klassiker dieses Formats wünschen würde. Ein kleines Highlight ist das Interview mit Clint Eastwood, der sich über die Bedeutung von FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR für seine Karriere durchaus bewusst ist.
Der Western galt als sterbendes Genre als Sergio Leone mit FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR eine neue Dimension entdeckte und das Subgenre des Italowestern entstand. Im Laufe der nächsten zehn Jahre fand der Film jede Menge Nachahmer, die mehr oder weniger gelungen waren. Leone selbst widmete sich, zusammen mit Eastwood, noch zwei weitere Male dem Westerner, der bei den Fans als „Mann ohne Namen“ bekannte ist...
FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR
Der Kopfgeldjäger Colonel Mortimer ist auf der Spur des Banditen Indio, der für den Tod seiner Schwester verantwortlich ist. Mehr aus Zufall tut er sich mit dem Revolverhelden Monco zusammen, der ebenfalls die Kohle für Indio kassieren will. Scheinbar tun sich die beiden mit dem Banditen und seiner Bande zusammen, um ihn gemeinsam zur Strecke zu bringen...
Leones zweiter Streich zeigt schon mehr stilistische Eigenheiten, die später für die Filme des italienischen Regisseurs typisch waren. Die Story ist etwas komplizierter strukturiert und bietet den beiden Hauptprotagonisten genug Raum um sich zu entfalten. Allein schon die langen Sequenzen, in denen sie vorgestellt werden, sagen viel über Colonel Mortimer und den Revolverhelden Monco aus. Dabei bezieht sich Leone wieder auf ein Verhältnis, dass auch aus japanischen Filmen bekannt ist. Der Ältere tut sich mit dem Jüngeren zusammen, um ihn etwas zu führen. Tatsächlich mutet das Verhältnis zwischen Mortimer und Monco mehr wie das eines Vaters zu seinem Sohn an, als pure Freundschaft. Leone entfaltet eine interessante Story, die von der ersten bis zur letzten Minute nichts von ihrem Reiz verliert. Dies liegt auch an dem Zusammenspiel von Clint Eastwood und Lee Van Cleef, bei denen man bemerkt, dass die Chemie stimmt.
Lee Van Cleef spielt in FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR einen positiven Charakter. Der Hollywoodveteran wurde vor allem durch seine zahlreichen Nebenrollen in zahlreichen Western bekannt. Meist gab er dort den Schurken, der schon nach der ersten halben Stunde einer Kugel zum Opfer fällt. Van Cleef war u.a. in Klassikern wie 12 UHR MITTAGS, ZWEI RECHNEN AB, BRAVADOS, DER MANN, DER LIBERTY VALANCE ERSCHOSS und DAS WAR DER WILDE WESTEN zu sehen. Nach FÜR EIN PAAR DOLLAR mehr startete in Europa für ihn quasi eine zweite Karriere, wobei er dem Genre treu blieb. Neben seinem Auftritt in Leones ZWEI GLORREICHE HALUNKEN konnte man den Schauspielera auch u.a. auch in der SABATA-Trilogie sehen.
Für den Part des Schurken wählte Sergio Leone erneut Gian Maria Volénte, dessen schauspielerische Leistung in diesem Film noch etwas intensiver ist. Allerdings wirkt sein oft etwas übertriebenes Auftreten sehr überzogen und operettenhaft. Eben diese Übertreibung führte am Set von FÜR EIN PAAR DOLLAR mehr zu Schwierigkeiten zwischen Darsteller und Regisseur.
In einer Nebenrolle ist auch Klaus Kinski zu sehen, der hier aber einen eher untergeordneten Part spielt. Dennoch holt er einiges aus der Rolle eines buckligen Bandenmitglieds heraus.
Wie schon bei seinem Vorgänger wurde auch an FÜR EIN PAAR DOLLAR mehr mit einer intensiven Restauration nicht gespart. Der Film erscheint, ähnlich wie EINE HANDVOLL DOLLAR, in seiner vollen Länge und in einem Glanz, der richtig Spaß macht. Die Bildqualität liegt auf einem ähnlichen Niveau wie der erste DOLLAR-Film, wirkt aber auf weiter Strecken sogar etwas besser. Die erdigen Farben, ein sehr guter Kontrast und eine gute Schärfe lassen das Bild sehr plastisch erscheinen.
Auch die Extras ähneln dem Vorgänger, sind allerdings etwas knapper ausgefallen. Der Audiokommentar von Sir Christopher Frayling steckt erneut voller interessanter Informationen, die er auf der zweiten DVD noch etwas vertieft. Etwas kurz ausgefallen ist das Interview mit Clint Eastwood. Sehr interessant sind die Features über die Restauration des Films, die zeigt, wie intensiv die Leute bei MGM/UA und TLE Films an dem Projekt gearbeitet haben.
FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR bietet eine sehr solide Qualität, die dem DVD-Fan einfach nur Spaß macht. Die Restauration lässt kaum Wünsche offen und auch die Umsetzung auf DVD kann gefallen. Es hat lange gedauert bis FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR und FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR in Deutschland auf DVD erschienen sind. Das Warten hat sich auf alle Fälle gelohnt.
Die beiden Filme sind auch als einzelne Doppel-DVDs erschienen.
