Titel: Mein Name ist Nobody
Originaltitel: Il Mio Nome é Nessuno / My Name is Nobody
Regie: Tonino Valerii, Sergio Leone
Darsteller: Terence Hill, Henry Fonda, Jean Martin, Mario Brega, Neil Summers, Steve Kanaly, R. G. Armstrong, Geoffry Lewis, u. a.
Region: Region 2
Bildformat: 2.35 : 1 (anamorph)
Ton/Sprachen: Deutsch, Englisch (Mono)
Special Features: Dokumentationen, Restaurationsfeaturette, Pressematerial, Nobody in 8 mm, u.a.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist der Westen nicht mehr die unendliche Weite, die er früher war. Die Eisenbahn hat die verschiedenen Städte zusammenwachsen lassen und die Telegrafenleitungen lassen die Entfernungen noch weiter zusammenschmelzen. Der Revolverheld Jack Beauregard merkt, seine Zeit ist vorbei. Also entschließt er sich den Westen zu verlassen bevor ihm jemand das Lebenslicht ausbläst. Der Gunslinger ist nämlich einer der ganz wenigen seines Standes, die alt geworden sind. Doch Beauregard hat die Rechnung ohne Nobody gemacht. Der junge Mann will seinem Idol einen würdigen Abgang verschaffen. Der Revolverheld soll gegen die Wilde Horde antreten, eine Diebesbande, die den Westen unsicher macht. Danach will Nobody selbst sich mit Jack Beauregard duellieren, um einen großen Namen zu bekommen...
Mit Filmen wie die DOLLAR-Trilogie oder SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD hat Sergio Leone dem am Ende der 1960er im Niedergang begriffenen Westerngenre eine neue Dimension gegeben: den so genannten Italo Western. Mit einem unbarmherzigen Realismus und mit gigantischen Landschaftsaufnahmen verzögerte Leone das vorläufige Ende des Western noch um einige Jahre. Zwar wurde sein Erfolgsrezept oft kopiert, aber nie wurde die Klasse erreicht, die der italienische Regisseur vorgegeben hatte. Eigentlich wollte sich Leone anderen Dingen zuwenden, doch der Druck der Produzenten aus Amerika und Europa wurde zu groß. So entschied er sich noch einen Western zu machen. Allerdings würde er ihn nur produzieren. Die Regie wollte er seinem Kollegen Tonino Valerii überlassen, der schon als Second Unit-Regisseur bei SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD dabei war. Doch anscheinend machte er seine Arbeit zu gut, denn Leone ließ sich, nachdem er die ersten Ergebnisse gesehen hatte, nicht nehmen, selbst noch an dem Film Hand anzulegen. So stammt beispielsweise die große Duellszene zum Schluss von MEIN NAME IST NOBODY von ihm. Warum Leone sich zu diesem Schritt entschloss, kann nur vermutet werden. Auf jeden Fall tat das Eingreifen des Produzenten dem Film nicht gut, was wirklich schade ist, denn der Streifen ist das Material aus dem Klassiker gemacht sind. Während Leone das letzendliche Produkt nicht sehr mochte, wurde der Film vor allem in Europa zu einem großen Erfolg. In Deutschland gilt er heute als einer der besten Beiträge zum Westerngerne, was sicherlich auch an der Synchronegie von Rainer Brandt liegt, der schon aus der mittelmäßigen Serie THE PERSUADERS in Deutschland unter dem Titel DIE ZWEI einen Kulthit nur mit Hilde der Synchronisation fabrizierte.
Überraschenderweise ließ Paramount Pictures Home Entertainment die beiden NOBODY-Filme extra für den deutschen Markt restaurieren. Anders als bei den beiden DOLLAR-Filmen, die ebenfalls bei Paramount erschienen sind, konnte man nicht auf ein internationales Master zurückgreifen, da es die NOBODYs in sehr schwankender Qualität auf ausländischen DVDs zu finden sind. Für die deutsche Auflage wurde das italienische Originalnegativ neu digital abgetastet. Leider war dies nicht mehr in einem ganz einwandfreien Format, denn es sind leichte Verwischeffekte zu bemerken. Mit dem Ergebnis konnte die Berliner TLE Films allerdings arbeiten. So wurde der Film noch einmal digital restauriert, wobei immer noch Mängel im Halbbildbereich zu finden sind. Mehr zu diesem Thema findet man in der Review von Digital Movie zum Film. Die dort angesprochen Probleme fallen auf einem normalen TV-Gerät allerdings nicht so sehr auf. Dort macht das Bild eine sehr gute Figur. Die Schärfe und der Kontrast überzeugen für einen mehr als dreißig Jahre alten Film. Die kräftige Farbgebung unterstreicht den positiven Eindruck. Außerdem sind keinerlei Verunreinigungen und Defekte der Vorlage festzustellen. Positiv zu bemerken ist auch die hohe Bitrate mit der MEIN NAME IST NOBODY auf der Film-DVD gefahren wird. Die Scheibe wird fast vollständig ausgenutzt. Keine Selbstverständlichkeit in der heutigen DVD-Szene.
Bei Ton verzichtete man auf ein Dolby Digital 5.1-Upmix, was ohnehin nur eine Gaukelei gewesen wäre. Der Original- und der deutsche Ton wurden Störungen so gut wie möglich befreit, wobei die Dynamik etwas auf der Strecke blieb. Die Dialogverständlichkeit ist sehr gut, wenn auch die Musik etwas zu sehr in der Hintergrund tritt. Die deutsche Fassung klingt übrigens einen Tick besser als die englische Fassung.
Die Extras befinden sich nur auf der 2. DVD der Doppel-DVD. Es ist schon beeindruckend, was man über den Film zusammengetragen hat. Herzstück ist die rund 75minütige Dokumentation Nobody Is Perfect: Leones Grabgesang auf den Western der alten Generation in den Hintergrund der Entstehung des Films eingegangen wird. Hierbei kommt u. a. auch Terence Hill zu Wort, der dafür exklusiv interviewet wurde. Seine Aussagen bieten einige interessante Einblicke in die Arbeit von Leone und Tonino. Der nächste Programmpunkt ist eine Doku über die Restaurationsarbeiten an NOBODY, die ebenfalls interessant ist. Sehenswert ist auch Nobody in 8 mm. Neben einen Blick auf die Super 8-Version des Films bekommt man noch einen kleinen Abriss über den Home Entertainment-Bereich der letzten 30 Jahre geboten, wobei die Unterschiede der verschiedenen Medien mit Ausschnitten beeindruckend dargestellt wird. Eine Bildergalerie mit Sammlerstücken sowie eine Trailershow schließen die Specials ab.
Lange hat es gedauert bis MEIN NAME IST NOBODY in Deutschland erschienen ist. Allerdings hat sich das Warten gelohnt, denn die Paramount-Edition kann sich sehen lassen. Bild und Ton sind auf hohem Niveau restauriert worden und auch die Special Features sind interessant. Ein weiterer positiver Faktor ist die Tatsache, dass mit dieser Version erstmals die ungekürzte Fassung des Films in Deutschland vorliegt. Insgesamt gesehen also ein Klassiker, der einmal mehr in jede gute DVD-Sammlung gehört.
