Titel: Spiel mir das Lied vom Tod
Originaltitel: Once Upon A Time In The West
Regie: Sergio Leone
Darsteller: Claudia Cardinale, Henry Fonda, Jason Robards, Charles Bronson, Gabrielle Ferzetti, Woody Strode, Jack Elam, Lionel Stander, Keenan Wynn, u.a.
Region: Region 2
Bildformat: 2.35 : 1 (anamorph)
Ton/Sprachen: Englisch (DD 5.1), Deutsch, Spanisch, Französisch (Mono)
Special Features: 3 Dokumentationen, Audiokommentar, Locationvergleich, Fotogalerien, Trailer, u.a.
Mitte der 60er Jahre kam mit dem Italowestern ein neues Untergenre des Westerns auf die Leinwand. Sergio Leones “Dollar”-Trilogie mit Clint Eastwood in der Hauptrolle, trat eine Lawine von Filmen los, die in den Kinos eine ganz neue Sicht des amerikanischen Westens zeigte. Vorbei war es mit dem sauberen Helden, die sich im Showdown mit den Schurken duellieren. Nun waren es meist zwielichtige Gestalten mit Ecken und Kanten, die den Bösen das Handwerk legten. Protagonisten wie Django oder Nobody bevölkerten nun die Leinwand und sorgten für volle Kassen. Natürlich wurde auch Hollywood auf diese Entwicklung aufmerksam und holte Sergio Leone nach Amerika. Dort sollte er einen aufwendigen Western in seinem eigenen Stil inszenieren. Obwohl Leone etwas anderes im Sinn hatte, sagte er zu. So kam es dann zu ONCE UPON A TIME IN THE WEST, der nicht nur als Italowestern Filmgeschichte darstellt. Er ist gleichzeitig der Abgesang eines Genres, dass Ende der 60er Jahre in der Krise steckte. Mit knapp 3 Millionen Dollar schuf Leone ein Meisterwerk, dass auch heute noch zu beeindrucken weiß. Die Detailverliebtheit und vor allem die sorgsame Auswahl der Darsteller zeigt auf, wie man einen solchen Genrefilm unsterblich machen kann. Am originellsten ist die Idee Henry Fonda, der mehr als einmal in seiner Karriere das Klischee des “aufrechten Amerikaners” bediente, als kindermordenden Schurken zu besetzen. Obwohl der Streifen damals im Kino nicht sehr erfolgreich war, wurde er im Laufe der Zeit zu einem der großen Meisterwerke der Filmgeschichte. In ihm vereinigt sich alles, was einen perfekten Western ausmacht. Kein Wunder also, dass sich in den modernen Western Regisseure wie Lawrence Kasdan, Sam Raimi und Clint Eastwood vor dem Meisterwerk ihn ihren Filmen verneigten.
Paramount Home Video hat sich lange Zeit gelassen, um SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD auf DVD zu veröffentlichen. Das Warten hat sich auf alle Fälle gelohnt. Das Doppel-DVD-Set befindet sich in einem sehr schönen, aber schlicht gehaltenen Digi-Pack, dass etwas an die Staubmäntel erinnert, die im Film auftauchen. Der Film selbst wurde aufwendig restauriert. Das Bild beeindruckt durch eine sehr gute Schärfe und einer intensiven Farbgebung. Vor allem die Großaufnahmen lassen sehr viele Details erkennen. Einziges Manko ist ein leichtes Bildruckeln bei ein paar Kameraschwenks. Man kann allerdings insgesamt mehr als zufrieden sein.
Der Ton liegt in vier Sprachen vor, wobei nur die englische in Dolby Digital 5.1 vorliegt. Natürlich kann man kein Effektfeuerwerk bei einem Film dieses Alters erwarten, aber der geniale Soundtrack von Ennio Morricone wurde sehr gut abgemischt. So ist es auch fast nur die Musik, die man über die Effektlautsprecher zu hören bekommt. Die deutsche Tonspur ist gut verständlich, besitzt aber natürlich nicht das Volumen der englischen Spur.
Auch die Extras können sich sehen lassen. Das Kernstück ist ein siebzigminütiges Making Of, das in drei Teile gesplittet wurde. Darin kommen, neben noch lebenden Darstellern, auch Regisseure wie John Carpenter, John Milius und Alex Cox zu Wort, die sich als Fans des Films outen. Bernado Bertolucci, Macher von DER LETZTE KAISER, erzählt einiges über die Entstehung des Films, bei dem er zusammen mit Leone und Dario Argento die Story lieferte. Der Biograf von Sergio Leone rundet das Bild mit zahlreichen Hintergrundinfos ab. Obwohl die Dokumentation auf den ersten Blick etwas lang erscheint, ist sie sehr informativ und kurzweilig. die gleichen Interviewpartner bestreiten übrigens auch den Audiokommentar auf der ersten DVD.
In der Featurette DIE EISENBAHN - REVOLUTION DES WESTENS werden kurz die historischen Hintergründe angerissen, die ONCE UPON... zugrunde liegen. Man erfährt einiges über den Bau der Eisenbahn quer durch die USA. Weiter geht es mit einer Fotogalerie, die die Drehorte so zeigt, wie sie heute aussehen. Eine weitere Galerie setzt sich aus Produktionsfotos zusammen. Ein restaurierter Trailer rundet die Extras ab.
In einer Zeit, in der sich Hollywood in oberflächlichen, eindimensionalen Actionfilmen ergeht, findet man vielen älteren Filmen noch die alte Qualität. SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD zeigt einmal mehr, dass ausländische Regisseure durchaus die Fähigkeit haben sich mit amerikanischen Themen auseinandersetzen zu können. Teilweise sogar besser als mancher einheimische Filmemacher. Sergio Leone hat mit diesem Film einen Meilenstein geschaffen, an dem sich alle darauf folgenden Western messen lassen mussten. Die wenigsten haben es geschafft. Eine DVD, die in jede gute Sammlung gehört.
